Philosophie und Glück

Philosophie und Glück
Philosophie und Glück
Während Glück in der Psychologie durchaus als positiver Zufall oder situativ gute Laune aufgrund einer Wunscherfüllung betrachtet wird, definiert es sich in der Philosophie vielmehr als mittel- bis langfristige Zufriedenheit durch das eigene Tun. Was allerdings nicht bedeutet, dass sich die Philosophen zu den verschiedenen Zeiten immer einig darin gewesen wären, wie dieses Ziel zu erreichen sei. Das beweist ein kleiner Blick in die Geschichte über Philosophie und Glück.

Die Betrachtung von Glück in der Antike

Wenngleich Aristoteles nicht der erste Philosoph war, der sich mit der Frage nach dem Glück befasste, zählen seine Ansichten doch zu den bekanntesten. Er bezeichnet die Glückseligkeit (eudaimonia) als das höchste menschliche Ziel, dem man am effektivsten mithilfe eines tugendhaften und vernunftgeleiteten Tuns entgegenkommen könne.

Bestseller Nr. 1
Ungeklärt und bis heute vieldiskutiert blieb in diesem Zusammenhang jedoch die Frage, wie es dabei um das passende Verhältnis zwischen inneren Gütern wie Seelenruhe (Ataraxie) und Erkenntnis oder äußeren Gütern wie Reichtum, Gesundheit und Macht bestellt sein müsse.
Der Ansatz des Hedonismus‘, der dabei auf die einfache Maximierung von banaler Lust abzielt, führte aber schon im Laufe der Antike zur Skepsis, ob die Seelenruhe als Basis für das Erreichen des Glücks ausreichen würde. Vielmehr lag der Schlüssel zu ihr bei

  • Den Epikureern darin, schmerzfrei zu leben und einfache Güter zu würdigen und zu genießen,
  • den Stoikern im Ansatz, sich soweit wie möglich von äußeren Gütern und persönlichen Wünschen zu lösen und Glück durch eine tugendhafte Lebensführung zu erreichen und
  • bei den Skeptikern darin, die eigenen Erkenntnisansprüche zu limitieren.
    Doch unabhängig davon, welcher Weg im Einzelnen bevorzugt wurde, bestand in der Antike eine gewisse Einigkeit darüber, dass das Glück nur eine Mischung aus gutem mit sittlich richtigem Leben darstellen könne. Und dass der Mensch selbst mit seinem Tun der entscheidende Faktor dafür sei.

Glück im Mittelalter …

Einige der antiken Glückvorstellungen wurden auch von den Philosophen und Theologen des Mittelalters aufgegriffen; man denke nur an die Askese (Diogenes von Sinope) oder das Finden von Glück im Jenseits, nach dem Tod (Platon). Allerdings zeigen sich beispielsweise bei Augustinus von Hippo oder bei Thomas von Aquin deutliche Abweichungen von antiken Ansätzen bei der Beantwortung der Frage, wer für das Glück der Menschen zuständig sei.

So bezeichnet Augustinus in seinem Werk De beata vita die Liebe zu Gott als ethischen Grundbegriff und Hauptbezugspunkt des menschlichen Willens. Und auch, wenn das Ziel allen Tuns das Streben nach Glückseligkeit sei, könne diese doch nur von Gott und nicht von irdischen Gütern gebracht werden. Nicht ganz unähnlich argumentiert auch Thomas von Aquin in seinem Werk Liber de veritate catholicae fidei contra errores infidelium: Der Mensch erkenne Gott und die mit ihm Glückseligkeit erst nach seinem Tode. Es sei also Gott und nicht der Mensch selbst, der glück(selig) machen könne. Eine Ansicht, die ab der Wende zur Neuzeit wiederum mehrere Veränderungen erfuhr.

… und in der Neuzeit

Galten im Mittelalter noch Gottgefälligkeit durch Askese und das Erwarten des Jüngsten Gerichts als Möglichkeiten, die Glückseligkeit zu erlangen, standen im Humanismus das Streben nach Selbstbestimmung, ein sozialer Umgang mit anderen und die positive Selbst- und Weiterentwicklung im Fokus.
Kant dagegen stellte das moralische Sittengesetz in Kombination mit dem kategorischen Imperativ in den Mittelpunkt seiner Glücksbetrachtungen. Wobei er selbst nicht von Glück als Basis einer Ethik sprechen wollte, da ihm der Glücksbegriff viel zu undefiniert erschien.

Vielmehr präferierte er die Pflicht als ethische Basis, die – wenn auch nicht mit begeisterter Ekstase verbunden – autonom und zufriedener machen würde. Was in seinen Augen das Wesentliche sei.
Im deutlichen Widerspruch dazu stand dann wiederum der von Bentham und Mill entwickelte Utilitarismus mit seinem ‚größten Glück der größten Zahl‘, wobei die Genussmaximierung vieler natürlich mit deutlich negativen Folgen für Individualpersonen verbunden war. Als große Herausforderung erwies sich zudem die Tatsachen, dass Menschen einfach nicht nach allgemeinem, sondern nach individuellem Glück entscheiden.

Ähnliche Artikel

Kein Wunder also, dass auch ‚Glückseligkeitsanzweifler‘ wie

  • Schopenhauer (Glück als möglichst geringes Unglück) oder
  • Nietzsche (Glück als Ausdruck von Lebenskraft und Kampfgeist im Gegensatz zur negativ besetzten Glücksseligkeit, die nur für faule Menschen, die ein sorgenfreies Leben ohne höhere Ansprüche genießen wollen werden, interessant sei)
    vieldiskutierte Thesen aufstellten.
    Zudem ist die Frage, was ein Gutes ausmacht, auch in der heutigen, zeitgenössischen Philosophie noch keinesfalls vom Tisch. Als “geglücktes (also glückliches) Leben” gilt dabei ein solches, das vom Erreichen individueller Lebensziele geprägt ist. In diesem Rahmen widmet sich die Philosophie vor allem der Untersuchung der dafür notwendigen Voraussetzungen – und es darf davon ausgegangen werden, dass diese Analyse keinesfalls langweiliger als die Betrachtungen und Überlegungen der letzten Jahrhunderte …
5/5 - (29 votes)

⇓ Weiterscrollen zum nächsten Beitrag ⇓


Schaltfläche "Zurück zum Anfang"