Autophobie: Die Angst vor dem Alleinsein

Autophobie: Die Angst vor dem Alleinsein
Autophobie: Die Angst vor dem Alleinsein
Autophobie, Monophobie, Isolophobie: Viele verschiedene Worte, die alle dasselbe beschreiben: Die Angst vor dem Alleinsein= Autophobie. Der Mensch ist ein soziales, aber auch autarkes Wesen und genauso wichtig wie Geselligkeit ist auch die Fähigkeit zum Alleinsein. Nach dem internationalen Klassifikationssystem ICD-10 gilt die übermäßige Angst vor dem Alleinsein als spezifische Phobie.

Was kennzeichnet das Verhalten bei Autophobie?

Neben der Angst vor dem Alleinsein wird die Autophobie häufig von Verlustangst, Angst vor Einsamkeit, Ablehnung und Ignoranz begleitet. Menschen mit Autophobie vermeiden es, Zeit alleine zu verbringen und haben daher in der Regel eine hohe Anzahl an sozialen Kontakten. Durch ständige Beschäftigung versuchen sie, dem Alleinsein aus dem Weg zu gehen und sind daher bemüht, Beziehungen besonders intensiv zu pflegen. Besonders in Partnerschaften kann es in der Folge zu klammernden, kontrollierenden Verhaltensweisen und Eifersucht kommen.

Solche Verhaltensweisen belasten Beziehungen und Partnerschaften jedoch langfristig und erhöhen das Risiko für das Scheitern dieser. Eine mögliche Trennung begünstigt dann das Entstehen eines Teufelskreises. In schweren Fällen wird die Autophobie von den typischen Phobiezeichen begleitet und kann beim Alleinsein zu Panikattacken führen. Zu den körperlichen Symptomen gehören beispielsweise Herzrhythmusstörungen und Atemnot sowie Schweißausbrüche.

Woher kommt die Angst vor dem Alleinsein?

Im Kindesalter ist die Angst vor dem Alleinsein oder auch eine Trennungsangst im Sinne der Überlebenssicherung als funktional einzuordnen. Im Laufe der Entwicklung verliert sie sich jedoch in der Regel, da der Umgang mit temporären Trennungen von Bezugspersonen gelernt wird. Ausschlaggebend dafür sind jedoch ein gesunder Bindungs- und demokratischer Erziehungsstil. Persistiert die Trennungsangst bis ins Erwachsenenalter, verliert sie ihre ursprüngliche biologische Funktion und gilt als pathologisch.

Meist liegt die Ursache in frühen Erfahrungen von tatsächlichen oder drohenden Verlusten. So sind Scheidungskinder aufgrund der frühen Trennungserfahrung anfälliger im Laufe ihres Lebens eine Autophobie zu entwickeln. Ihre Verhaltensweisen zielen zunehmend darauf ab, eine Wiederholung des Traumas zu vermeiden, wobei sich der Charakter dieser Angststörung vor allem auf Partner, Freunde aber auch auf Familienmitglieder bezieht.

Was unterscheidet das Alleinsein von der Einsamkeit?

Alleinsein und Einsamkeit verwechselt man oft.
Alleinsein gilt als bewusste, freiwillige Entscheidung. Dem gegenüber steht die Einsamkeit. Sie ist tiefgreifend und ergibt sich aus sozialer Isolation. Dabei kann sie nicht durch Anwesenheit Anderer behoben werden.
Einsamkeit resultiert häufig aus der Unzufriedenheit mit sich selbst. Mit dem Alleinsein erhöht sich allerdings auch das Risiko für Einsamkeit, wobei gilt, dass aufgrund der zunehmend eingeschränkt Mobilität das Risiko für Einsamkeit im Alter zunimmt.

In jüngster Zeit wird jedoch beobachtet, dass auch das Risiko für Jüngere an dem Gefühl der Einsamkeit zu leiden aufgrund der Digitalisierung und insbesondere auch durch die sozialen Medien erhöht ist. Kommunikation erfolgt zunehmend mit Distanz. Dabei verlieren zwischenmenschliche Beziehungen an Stabilität und werden oberflächlicher. Auch die Veränderungen der Arbeitswelt, die immer mehr Stress und Erschöpfung bedeuten, können das Risiko für Einsamkeit erhöhen. Die Angst vor dem Alleinsein, scheint oftmals eher eine Angst vor Einsamkeit zu sein. Insbesondere Gefühle des Andersseins können diese begünstigen. So fällt eine Korrelation zwischen Erfahrungen mit Homophobie, Diskriminierung, Rassismus und Autophobie auf.

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Wie kann das Alleinsein und der Umgang mit Einsamkeit gelernt werden?

Autophobie birgt die Gefahr weiterer Angst- aber auch Persönlichkeitsstörungen, Suchterkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und auch Krebserkrankungen auszulösen. Daher ist eine therapeutische Intervention ratsam. Dabei stellt das Behandlungsziel die Wiederherstellung einer Balance zwischen sozialen Kontakten und dem Alleinsein dar. Im Zentrum einer Verhaltenstherapie stehen neben konstruktiver Aufarbeitung und Reflexion, auch die Entwicklung und Modifikation von Verhaltensstrategien. Mit aktivem Üben des Alleinseins kann ein Individuum so Unabhängigkeit erfahren und Selbstvertrauen gewinnen.

Man lernt, sich bewusst zu machen, dass gute und enge Beziehungen fortbestehen, auch wenn man sich mal Zeit für sich nimmt. Nach gemeinsam verbrachter Zeit mit Freunden entsteht häufig ein temporäres Gefühl der Einsamkeit, dem man entgegenwirken kann, indem man schon vorher schöne, allein erlebte Aktivitäten plant. Diese helfen dabei, nach der in geselliger Runde verlebten Zeit herunterzukommen und zu entspannen.

Auch in dem Artikel über Emetophobie: Die Angst vor dem Erbrechen, erfahren Sie, wie man Ängste bekämpft.

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