Herausforderungen und Komorbiditäten bei der DBT-Diagnostik

Die Diagnostik in der Dialektisch-Behavioralen Therapie ist weit mehr als das Erkennen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Zwar richtet sich die DBT ursprünglich auf die BPS, doch in der Praxis liegt fast nie ein „reines“ Störungsbild vor.

Herausforderungen und Komorbiditäten bei der DBT-Diagnostik
Herausforderungen und Komorbiditäten bei der DBT-Diagnostik

Affektive Störungen, PTBS, Suchterkrankungen und weitere Persönlichkeitsstörungen überlagern das klinische Bild und erschweren eine trennscharfe Einordnung. Genau deshalb ist eine sorgfältige, strukturierte und mehrdimensionale Diagnostik der Schlüssel für jede tragfähige Behandlungsplanung in der DBT.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die DBT fokussiert primär die Borderline-Persönlichkeitsstörung, muss diagnostisch aber fast immer relevante Komorbiditäten mitdenken.
  • Besonders problematisch sind Überschneidungen bei Impulsivität, Emotionsdysregulation, Dissoziation, Depression, PTBS und Substanzkonsum.
  • Strukturierte Verfahren wie SKID-II beziehungsweise SCID-II und DIB-R sind zentral, weil sie die diagnostische Zuordnung systematisieren und den Schweregrad besser abbilden helfen.
  • Bei BPS mit Sucht ist die Behandlung besonders anspruchsvoll, weil Emotionsregulation, Rückfallrisiko und therapeutische Beziehung gleichzeitig unter Druck geraten.
  • Für komplexe Fälle ist ein dimensionaler Blick oft hilfreicher als eine rein kategoriale Sicht, weil er Belastungsgrad, Symptomzahl und Behandlungsprioritäten präziser erfasst.

Warum ist die Diagnostik in der Dialektisch-Behavioralen Therapie so komplex?

Die Diagnostik in der DBT ist so komplex, weil die Therapie zwar auf Borderline-Persönlichkeitsstörung ausgerichtet ist, Betroffene aber häufig zusätzlich an Depressionen, PTBS, Suchterkrankungen oder weiteren Persönlichkeitsstörungen leiden. Dadurch überlappen Symptome wie Impulsivität, Dissoziation und Emotionsdysregulation. Eine klare Abgrenzung gelingt deshalb nur mit strukturierten Interviews, klinischer Priorisierung und einer differenzierten Einschätzung von Komorbiditäten.

Warum Diagnostik in der DBT der eigentliche Schlüssel ist

Die DBT wurde für Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickelt. Im DBT-Verständnis gilt die BPS als Störung der Emotionsregulation. Genau hier beginnt aber bereits die diagnostische Schwierigkeit. Denn Emotionsdysregulation tritt nicht nur bei BPS auf.

Sie spielt auch bei Traumafolgestörungen, Suchterkrankungen und affektiven Störungen eine große Rolle. Deshalb reicht es in der DBT nicht, nur auf die Kernsymptome der Borderline-Störung zu schauen. Vielmehr muss abgeklärt werden, welche Symptome primär, welche sekundär und welche komorbid sind. Eine ungenaue Diagnostik führt sonst schnell zu einer Therapieplanung, die am eigentlichen Problemdruck vorbeigeht.

Hinzu kommt, dass die DBT in der Praxis häufig bei besonders belasteten Patientengruppen eingesetzt wird. Gerade dort sind die Störungsbilder selten monokausal. Im Kontext von BPS und Sucht zeigen Daten, dass zwischen 26 und 84 Prozent der wegen BPS behandelten Patientinnen und Patienten auch Kriterien für Substanzmissbrauch oder Substanzabhängigkeit erfüllen.

Umgekehrt erfüllen etwa 18 Prozent aller Süchtigen die Kriterien einer BPS. Solche Zahlen machen deutlich, dass Diagnostik in der DBT immer eine Komorbiditätsdiagnostik ist. Wer nur eine Hauptdiagnose vergibt, unterschätzt meist die klinische Realität. Das erklärt auch, warum die Eingangsdiagnostik in DBT-Settings so sorgfältig und oft mehrstufig angelegt sein muss.

Welche diagnostischen Herausforderungen die Abgrenzung so schwierig machen

Die größte Herausforderung ist die Symptomüberschneidung. Impulsivität ist ein gutes Beispiel. Sie gehört zu den Kriterien der BPS, taucht aber auch im Kontext von Substanzstörungen deutlich auf. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich diagnostische Kriterien von Borderline-Persönlichkeitsstörung und Substanzstörungen überschneiden und die Ergebnisse sich sogar verändern, wenn das Kriterium Impulsivität in Analysen ausgeklammert wird.

Das zeigt, wie schnell vorschnelle Zuschreibungen entstehen können. Was nach „typischer Borderline-Symptomatik“ aussieht, kann in Teilen auch durch Sucht, Trauma oder andere Achse-I-Störungen mitbedingt sein.

Auch Emotionsdysregulation ist diagnostisch heikel. Sie ist zwar im DBT-Modell zentral, aber eben nicht exklusiv für BPS. Gleichzeitig kommen Dissoziation, Selbstverletzung, depressive Einbrüche und Beziehungsinstabilität oft gemeinsam vor. In solchen Konstellationen steigt das Risiko von Fehleinschätzungen. Dazu kommt die praktische Schwierigkeit, dass komorbide Störungen die klinische Präsentation laufend verändern können.

Ein Patient in akuter Depression zeigt sich anders als in einer traumabezogenen Übererregung oder unter Substanzeinfluss. Deshalb ist Diagnostik in der DBT kein einmaliger Akt, sondern ein fortlaufender Prozess mit wiederholter Überprüfung.

Therapeutische Ratlosigkeit ist dabei kein Randthema. Gerade bei BPS mit Sucht beschreibt die Literatur häufige Regelbrüche, Rückfälle, Unpünktlichkeit und Belastungen der therapeutischen Beziehung. Viele Behandler lehnen solche Fälle sogar ab, weil beide Problembereiche zugleich spezielles Wissen verlangen.

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Das bedeutet diagnostisch: Eine gute Einschätzung ist nicht nur für die Diagnose selbst wichtig, sondern auch für die Frage, welches Setting überhaupt tragfähig ist. Die Diagnostik entscheidet also direkt über Sicherheit, Beziehungsarbeit und Behandlungsplanung.

Welche Instrumente in der DBT-Diagnostik wirklich unverzichtbar sind

Bei komplexen DBT-Fällen sind strukturierte Verfahren unverzichtbar. Für Achse-I-Störungen wird in den herangezogenen Materialien das DIA-X als geeignetes Instrument zur Erfassung häufiger psychischer Störungen beschrieben. Für Achse-II-Störungen ist das SKID-II beziehungsweise SCID-II zentral.

Es erfasst die im DSM beschriebenen Persönlichkeitsstörungen systematisch und reduziert damit die Gefahr, dass Diagnosen allein aus klinischem Eindruck oder momentaner Krisenlage abgeleitet werden. Gerade bei BPS mit mehreren Komorbiditäten ist diese Standardisierung entscheidend.

Wichtig ist auch, dass das SKID-II nicht nur kategorial genutzt werden kann. Eine dimensionale und eine kategoriale Auswertung sind möglich. Das ist für die DBT hochrelevant. Denn nicht nur die Ja-oder-nein-Frage einer Diagnose ist therapeutisch bedeutsam.

Ebenso wichtig ist die Anzahl erfüllter Kriterien und damit der Schweregrad. Genau deshalb wurde zur Einordnung des Schweregrades einer BPS auch der SKID-II-Rohwert beziehungsweise die Anzahl der Symptome herangezogen. Das passt sehr gut zum DBT-Gedanken, Behandlung an Belastungsgrad und Problembereichen auszurichten.

Auch DIB-R spielt diagnostisch eine wichtige Rolle. In der zusammengeführten Studientabelle wird es als revidiertes diagnostisches Interview für Borderline-Patienten ausgewiesen. Solche Verfahren sind vor allem dann wertvoll, wenn unklar ist, ob eine Borderline-Symptomatik tatsächlich die Kernstörung darstellt oder nur von anderen Diagnosen überlagert wird.

Dennoch lösen Instrumente nicht jedes Problem. Die Materialien zeigen, dass Reliabilität zwar befriedigend bis gut sein kann, aber nicht perfekt ist. Außerdem bleibt die diagnostische Qualität abhängig von Durchführung, Informationslage und klinischer Einbettung. Instrumente strukturieren die Diagnose. Sie ersetzen aber nicht das klinische Denken.

Diagnostizierbare Persönlichkeitsstörungen nach SKID-II

Kürzel Persönlichkeitsstörung
SU Selbstunsichere Persönlichkeitsstörung
DE Dependente Persönlichkeitsstörung
ZW Zwanghafte Persönlichkeitsstörung
NE Negativistische Persönlichkeitsstörung
PD Paranoide Persönlichkeitsstörung
ST Schizotype Persönlichkeitsstörung
SD Schizoide Persönlichkeitsstörung
HI Histrionische Persönlichkeitsstörung
BO Borderline-Persönlichkeitsstörung
AS Antisoziale Persönlichkeitsstörung
NNB Nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsstörung

Diese Einteilung macht sichtbar, warum Achse-II-Diagnostik in der DBT so wichtig ist. Borderline steht selten isoliert im Raum. Vielmehr muss immer geprüft werden, welche weiteren Persönlichkeitszüge oder Persönlichkeitsstörungen das klinische Bild mitprägen.

Welche Komorbiditäten in der DBT besonders beachtet werden müssen

Affektive Störungen gehören zu den wichtigsten Komorbiditäten. Depressionen können sowohl Folge massiver innerer Belastung als auch eigenständige Störung sein. In den herangezogenen Daten finden sich Angaben zu depressiver Symptomatik, und die Übersicht betont Komorbiditäten der BPS mit affektiven Störungen ausdrücklich.

Für die DBT-Diagnostik bedeutet das: Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit und Suizidalität dürfen nicht automatisch nur als Borderline-Phänomene gelesen werden. Es muss immer geprüft werden, ob eine eigenständige depressive Episode vorliegt. Diese Abgrenzung ist wichtig, weil sie das Krisenmanagement und die Priorisierung der Behandlung verändert.

PTBS ist diagnostisch ebenso zentral. Traumabezogene Symptome können Affektstürme, Dissoziation, Übererregung, Vermeidung und instabile Beziehungen verstärken. In den ausgewerteten Tabellen finden sich sogar gesonderte Werte für Gruppen mit und ohne PTBS. Das unterstreicht, dass die Belastungsausprägung je nach Komorbidität deutlich variiert.

Für die DBT heißt das praktisch: Ohne Trauma-Screening bleibt ein wesentlicher Teil der Symptomlogik oft unsichtbar. Wer PTBS übersieht, missversteht nicht selten Trigger, Rückzüge und emotionale Eskalationen.

Substanzgebrauchsstörungen sind im DBT-Kontext besonders folgenreich. Suchtmittel können kurzfristig Spannung senken und Emotionen modulieren. Langfristig destabilisieren sie aber Abstinenz, Impulskontrolle und therapeutische Beziehung. Deshalb beschreibt die Literatur DBT-S als spezifische Erweiterung für BPS mit komorbider Abhängigkeit.

Sie ergänzt die klassische DBT unter anderem um dialektische Abstinenz, Bindungsstrategien, spezielle Suchtskills und die Einbindung suchttherapeutischer Hilfen. Diagnostisch bedeutet das: Sucht darf nie als bloße Nebendiagnose behandelt werden, wenn sie das Funktionsniveau und die Therapiefähigkeit unmittelbar beeinflusst.

Auch andere Achse-II-Störungen sind bedeutsam. In den Materialien werden unter anderem zwanghafte, vermeidende beziehungsweise ängstlich-vermeidende und weitere Persönlichkeitsstörungen ausdrücklich genannt. Diese Komorbiditäten verändern das Erscheinungsbild der BPS oft erheblich.

Zwanghafte Züge können das Bild kontrollierter und rigider wirken lassen. Vermeidende Züge können Rückzug und Scham verstärken. Deshalb ist differenzielle Diagnostik nicht optional, sondern Voraussetzung für eine passgenaue DBT-Anpassung.

Wie Tabellen und Verlaufsdaten die diagnostische Einordnung verbessern

Gerade bei komplexen Fällen helfen tabellarische Übersichten, diagnostische Belastung nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ zu verstehen. Eine besonders aufschlussreiche Tabelle aus der Komorbiditätsliteratur vergleicht allgemeine Symptombelastung, psychosoziales Funktionsniveau, Depressivität und Dissoziation zwischen Gruppen mit unterschiedlicher Anzahl psychischer Störungen.

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Das ist diagnostisch hoch relevant. Denn die Tabelle zeigt, dass mit steigender Komorbiditätslast die Ausgangsbelastung tendenziell höher und die Ausgangsfunktionsfähigkeit geringer ist. Diagnostik wird damit vom reinen Etikettieren zu einer Schweregradbestimmung.

Die Werte verdeutlichen das gut. In den „eigenen Befunden“ der Tabelle lag der GSI-Wert prätherapeutisch bei 1,4 in der Gruppe mit 1 bis 3 psychischen Störungen, bei 1,9 in der Gruppe mit 4 bis 6 Störungen und bei 2,0 in der Gruppe mit 7 bis 13 Störungen. Parallel lag das psychosoziale Funktionsniveau prätherapeutisch bei 44, 33 und 30 Punkten.

Auch die Dissoziation war in der höchst belasteten Gruppe am stärksten ausgeprägt. Solche Unterschiede zeigen: Je komplexer die Komorbidität, desto wichtiger wird eine mehrdimensionale Diagnostik. Das ist genau der Punkt, an dem die DBT-Diagnostik über eine reine Hauptdiagnose hinausgehen muss.

Auszug aus Tabelle 6.1 zur Belastung nach Komorbiditätszahl

Gruppe GSI Prä GSI Post GAF Prä GAF Post BDI Prä BDI Post DES Prä DES Post
1–3 psychische Störungen 1,4 0,9 44 58 27 19 22 17
4–6 psychische Störungen 1,9 1,5 33 47 34 27 28 29
7–13 psychische Störungen 2,0 1,7 30 49 33 28 35 29

Diese Übersicht ist für die diagnostische Praxis wichtig, weil sie Komorbidität greifbar macht. Sie zeigt nicht nur, dass Nebendiagnosen vorliegen, sondern auch, wie stark sie das Belastungsniveau und das Funktionsniveau beeinflussen. Genau daraus lassen sich Behandlungsprioritäten in der DBT ableiten.

Welche Strategien die Diagnostik in der DBT praxistauglich machen

Eine gute DBT-Diagnostik endet nicht mit der Erstbeurteilung. Sie muss in eine Priorisierung überführt werden. Akut gefährdende oder therapieverhindernde Komorbiditäten müssen zuerst stabilisiert werden. Bei schwerer Abhängigkeit kann das zum Beispiel bedeuten, dass zunächst Entgiftung,

Rückfallprophylaxe oder Substitution notwendig sind. Die Literatur zu BPS und Sucht betont ausdrücklich, dass indizierte pharmakotherapeutische Maßnahmen bei Abhängigkeit unbedingt berücksichtigt werden sollten, weil sie die Prognose verbessern können. Das zeigt: Diagnostik ist immer auch eine Frage der Behandlungsreihenfolge.

Zugleich braucht die DBT flexible, modulare Anpassungen. Schon in einer neueren Übersicht wird DBT als prototypisch modular aufgebaute Psychotherapie beschrieben. Das ist für die Diagnostik relevant, weil verschiedene Problembereiche unterschiedlich stark in den Vordergrund treten können. Manche Patientinnen und Patienten brauchen zuerst Krisen- und Suizidmanagement.

Andere benötigen vorrangig Arbeit an Abstinenz, Traumafolgesymptomen oder massiver Dissoziation. Die Diagnostik muss deshalb immer wieder prüfen, was aktuell behandlungsrelevant ist. Kettenanalysen sind dabei besonders hilfreich, weil sie konkrete Auslöser, Bewertungen, Emotionen, Impulse und Folgen sichtbar machen. So verbinden sie Diagnostik und Intervention auf sehr direkte Weise.

Schließlich spricht vieles für einen dimensionalen Ansatz. Die Quellen zum SKID-II zeigen, dass eine dimensionale Auswertung möglich ist und die Interrater-Reliabilität dabei befriedigend bis gut ausfallen kann. Für die DBT ist das ein großer Vorteil.

Denn in der Praxis ist oft weniger entscheidend, ob eine Schwelle gerade knapp über- oder unterschritten wird. Wichtiger ist, wie stark Impulsivität, Dissoziation, Depressivität, Traumafolgesymptome oder Suchtdruck das Verhalten tatsächlich bestimmen. Ein dimensionales Verständnis unterstützt daher bessere Prognosen, realistischere Therapieziele und eine passgenauere Auswahl der DBT-Module.

Differentialdiagnostik – BPD sicher abgrenzen

Eine der zentralen Herausforderungen und Komorbiditäten bei der DBT-Diagnostik ist die präzise Abgrenzung zur bipolaren Störung oder ADHS. Da sich Symptome wie Impulsivität und Stimmungsschwankungen überschneiden, ist eine sorgfältige Exploration der Phasenhaftigkeit entscheidend.

Während die affektive Instabilität bei Borderline oft durch interpersonelle Auslöser getriggert wird und nur Stunden anhält, zeigen bipolare Episoden meist eine längere, situationsunabhängige Dauer. Für eine erfolgreiche Therapieplanung ist es essenziell, diese Nuancen in der Diagnostik zu erfassen, um Fehlbehandlungen zu vermeiden.

Die Einbeziehung von Fremdanamnesen und Verlaufsprotokollen hilft dabei, die spezifische Dynamik der Borderline-Persönlichkeitsstörung von neurobiologisch anders fundierten Störungen abzugrenzen und den Weg für eine passgenaue Dialektisch-Behaviorale Therapie zu ebnen.

Einsatz standardisierter Diagnostik-Instrumente

Um die Validität der Befunde zu sichern, stützt sich die klinische Praxis bei den Herausforderungen und Komorbiditäten bei der DBT-Diagnostik auf standardisierte Testverfahren. Instrumente wie das Strukturierte Klinische Interview für DSM-5 (SCID-5) oder das Revised Diagnostic Interview for Borderlines (DIB-R) gelten als Goldstandard.

Diese Verfahren ermöglichen es, die neun Kriterien der Borderline-Störung objektiv zu bewerten und gleichzeitig begleitende Achse-I-Störungen wie Depressionen oder Angststörungen zu identifizieren. Ohne den Einsatz solcher evidenzbasierter Tools bleibt die Diagnostik oft lückenhaft, was die Komplexität der Fallformulierung im weiteren DBT-Prozess erhöht.

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Eine fundierte Diagnostik sollte daher immer eine Kombination aus klinischem Urteil und psychometrischen Daten sein, um der Vielschichtigkeit der Patienten gerecht zu werden.

Fokus auf Neurodivergenz – ADHS und Autismus

In der modernen Psychiatrie rücken neurodivergente Merkmale verstärkt in den Fokus der Herausforderungen und Komorbiditäten bei der DBT-Diagnostik. Es zeigt sich eine signifikante Überlappung zwischen Borderline-Symptomen und den Merkmalen von hochfunktionalem Autismus oder ADHS im Erwachsenenalter.

Frauen mit Autismus werden beispielsweise häufig fälschlicherweise nur mit BPD diagnostiziert, da „Masking“ und soziale Erschöpfung wie emotionaler Rückzug wirken können. Ein integrierter diagnostischer Ansatz, der neurosensitive Aspekte berücksichtigt, ist daher unerlässlich.

Nur wenn Therapeuten verstehen, ob eine Reizüberflutung auf eine traumatische Erfahrung oder eine sensorische Überempfindlichkeit zurückzuführen ist, können die Skills im Rahmen der DBT effektiv angepasst werden. Dies verhindert chronische Überforderung und verbessert die langfristige Therapietreue der Betroffenen massiv.

Fazit

Die Diagnostik in der DBT entscheidet darüber, ob Behandlung trägt oder ins Leere läuft. Wer Borderline-Symptome ohne Depression, PTBS, Sucht oder weitere Persönlichkeitsstörungen denkt, greift zu kurz. Erst strukturierte Interviews, Verlaufsdaten und eine klare Priorisierung machen aus Komplexität einen behandelbaren Plan. Genau darin liegt die Stärke einer guten DBT-Diagnostik: Sie ordnet Chaos, schützt vor Fehlschlüssen und eröffnet präzisere Therapiewege. Wer verstehen will, warum DBT wirkt, muss zuerst verstehen, wie sorgfältig sie diagnostisch ansetzt.

Quellen:

  1. Die Dialektisch-Behaviorale Therapie bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung
  2. S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung
  3. Komorbidität und Prädiktoren für den Therapieerfolg bei der Dialektisch-Behavioralen Therapie

FAQ

Warum ist die Diagnostik bei Borderline-Patienten so schwierig?

Die Symptome überschneiden sich oft stark mit anderen Störungen wie PTSD, Depression oder bipolaren Erkrankungen. Zudem maskieren komorbide Suchterkrankungen oder Essstörungen häufig das zugrunde liegende Persönlichkeitsmuster.

Welche Rolle spielt die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)?

Eine PTBS tritt bei einer Vielzahl von Borderline-Patienten als schwere Komorbidität auf und erfordert oft eine spezifische Anpassung der DBT-Interventionen. Die Diagnostik muss daher klären, ob eine eigenständige PTBS vorliegt oder die Symptome Teil der emotionalen Instabilität sind.

Kann man DBT auch bei einer komorbiden Suchterkrankung durchführen?

Ja, es gibt spezielle DBT-S-Programme, die direkt auf die Bedürfnisse von Patienten mit Suchtproblematik zugeschnitten sind. In der Diagnostik muss jedoch die Priorisierung der Behandlungsziele gemäß der Hierarchie der DBT festgelegt werden.

Was ist der Unterschied zwischen Borderline und ADHS?

Während ADHS durch eine lebenslange Aufmerksamkeitsstörung und motorische Unruhe geprägt ist, steht bei Borderline die emotionale Instabilität und Beziehungsdynamik im Vordergrund. Beide Störungen können jedoch gleichzeitig auftreten und verstärken sich oft gegenseitig in ihrer Impulsivität.

Wie lange dauert eine gründliche DBT-Diagnostik?

Eine valide Diagnostik umfasst meist mehrere Sitzungen, in denen sowohl strukturierte Interviews als auch ausführliche Anamnesegespräche geführt werden. Zeit ist hierbei ein kritischer Faktor, um die Stabilität der Symptome über einen längeren Zeitraum zu beurteilen.

Sind Essstörungen eine häufige Komorbidität bei Borderline?

Besonders die Bulimie und Binge-Eating-Störungen treten sehr häufig gemeinsam mit einer Borderline-Störung auf. Die DBT bietet hierfür spezifische Module, um die emotionale Regulation ohne den Einsatz von essgestörtem Verhalten zu erlernen.

Warum wird die Diagnose Borderline oft erst spät gestellt?

Viele Betroffene erhalten zunächst Fehldiagnosen wie Depression oder Angststörung, da die zugrunde liegende Persönlichkeitsstruktur nicht sofort erkannt wird. Erst wenn Standardtherapien nicht anschlagen, wird oft eine tiefere differenzialdiagnostische Abklärung eingeleitet.

Welche diagnostischen Tests sind am wichtigsten?

Das SCID-5 für Persönlichkeitsstörungen und das DIB-R gelten als die verlässlichsten Instrumente zur Bestätigung einer Borderline-Diagnose. Ergänzend werden oft Fragebögen zur Selbstauskunft wie die BSL-23 eingesetzt, um die aktuelle Symptombelastung zu messen.

Können Kinder bereits eine Borderline-Diagnose erhalten?

Die Diagnose wird in der Regel erst ab dem Jugendalter vergeben, da sich die Persönlichkeit in der Kindheit noch in einer starken Entwicklungsphase befindet. Dennoch gibt es frühzeitige Warnsignale und spezielle DBT-A Programme für Jugendliche mit entsprechenden Tendenzen.

Wie beeinflusst eine Komorbidität den Therapieerfolg?

Komorbiditäten machen den Behandlungsverlauf oft komplexer und können die Therapiedauer verlängern. Durch die klare Struktur der DBT und die Bearbeitung nach Prioritäten können jedoch auch mehrere Störungsbilder gleichzeitig effektiv behandelt werden.

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