Todesangst: Die Angst vor dem Sterben

Der Tod hat eine zentrale Stellung im menschlichen Denken, der Philosophie und Religionen und begleitet den Menschen seit jeher. Umgangssprachlich versteht man unter der Todesangst neben der Angst vor dem Sterben und dem Tod auch Ängste von besonders hoher Intensität. Die existenzielle Psychologie differenziert darüber hinaus die Todesangst von der Angst vor dem Tod.

Ist die Angst vor dem Tod, sprich die Todesangst, genau gesagt die Angst vor dem Sterben rein psychisch bedingt, so spricht man wissenschaftlich von der sogenannten Thanatophobie, die von den griechischen Wörtern „Thanatos“ (Tod) und „Phobia“ (Angst) hergeleitet wird. Sie wird ausgelöst durch eine unspezifische Gefahr, die die gesamte Existenz eines Menschen betrifft. Davon abzugrenzen ist die tendenziell eher körperlich bedingte Todesangst mit spezifischer Bedrohung, zum Beispiel bei einem Herzinfarkt oder einer Lungenembolie, aber auch im Krieg oder bei einer Geiselnahme.

Woher kommt die Thanatophobie?

Tatsächlich lässt sich die extreme Angst vor dem Tod nur schwer diagnostizieren, da sie sehr tiefgreifend zu sein scheint und schwer erforschbar ist. Psychologen vermuten, dass zahlreiche psychische Abwehrmechanismen das menschliche Bewusstsein vor dieser Angst zu schützen versuchen. Zudem der Mensch innerhalb seiner Kultur und seines Weltbilds nach Unsterblichkeit strebt. Hierfür wurden Glauben und Religion, oftmals mit einem fest verankerten Bild des Weiterlebens nach dem eigenen Tod.

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Man vermutet, dass die Todesangst häufiger im Zusammenhang mit mangelnder Selbstakzeptanz, etwa bei wiederholt starken intrapsychischen Rollenkonflikten und niedrigem Selbstwertgefühl auftritt.
Ursprung der Thanatophobie liegt in existenziellen Ängsten, zum Beispiel in der Angst vor dem Verlust des Denkvermögens, aber auch der Angst vor dem Unbekannten. So wird die Angst vor dem Tod häufig begleitet von der Angst der Sinnlosigkeit und der Verdammnis. Auslöser dafür, dass aus einer normalen, milderen Angst vor dem Tod eine neurotische Angst vor dem Tod wird, sind beispielsweise ein besonders stark erfahrenes Leid oder auch das Erleben von Schuldempfindungen. Zu beachten ist allerdings der der fließende Übergang in eine neurotische Angst.

Entwicklungspsychologisch geht die Angst einer Furcht voraus, auch wenn die Begriffe umgangssprachlich häufig synonym verwendet werden. Die Psyche strebt danach, aus einer diffusen Angst mit undifferenzierter Gefühlsreaktion eine gerichtete Furcht mit Objekt zu erschaffen, vor dem man sich selbst schützen kann. Dies kann bei der Furcht vor dem Tod zu Vermeidungsverhalten, Rückzug und Isolation, aber auch zu Hypochondrie führen. Andersherum kann die Furcht vor dem Tod aber auch aus einer Hypochondrie entspringen.

Welchen Einfluss hat die Angst vor dem Tod auf das Leben?

Die sogenannte „Terror Management Theorie“ geht davon aus, dass terroristische Aktivitäten im Menschen immer Todes- und Existenzängste hervorrufen. Bei einem mangelnden Umgang mit solchen Ereignissen wird das Risiko für die Entstehung neurotischer Störungen erhöht. Grundsätzlich gilt eine milde Angst vor dem Tod als gesund, denn sie schützt die Menschen. Zum Beispiel vor den lebensgefährliche Situationen. Entwickelt sich aufgrund von Erlebten jedoch eine übermäßig starke Angst vor dem Tod, wie eine Thanatophobie, sollte professionelle Unterstützung in Anspruch genommen werden. Eine besondere Rolle spielt der Verlust der Angst vor dem Tod etwa im Kontext mit suizidalen Gedanken und Depressionen. Auch in diesem Falle ist professionelle Hilfe angeraten.

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Im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie lernt ein Patient mit Angstauslösern umzugehen und die Wahrscheinlichkeit von ausgemalten Szenarien realistisch einzuschätzen. Jedoch ist dafür eine hohe Bereitschaft erforderlich, die eigenen Gedanken zu hinterfragen. Gerade zu Beginn einer Therapie können daher Medikamente unterstützend eingesetzt werden.

Die Todesangst kann auch körperlich bedingt sein

Das Gefühl der Todesangst bedeutet für den Körper massiven körperlichen Stress. Es werden zahlreiche Stresshormone wie Cortisol ausgeschüttet. Befindet sich ein Patient bereits in kritischem Zustand. Sprich bei einem Herzinfarkt, kann sich der Zustand dadurch zunehmend destabilisieren. Da sein Herz-Kreislauf-System zusätzlich belastet ist. Die Angst vor dem Sterben ist für die Menschen bei der Vorstellung unerträglich.
In akuten Situationen, die zu einer drastischen Destabilisierung des Herz-Kreislauf-Systems führen, werden die Patienten in der Regel sediert. Im Laufe der körperlichen Behandlung klingt die akute Todesangst ab.

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