Einsamkeit

Was passiert, wenn man sich einsam fühlt

Einsamkeit
Einsamkeit
Zeit für sich selbst zu haben, weil das Allein-Sein gewünscht wird, muss nicht zum Problem werden. Vielmehr trägt es zum Stressabbau und zur Entspannung bei. Einsamkeit, also das ungewollte Allein-Sein, belastet dagegen unter Umständen sowohl psychisch als auch physisch.

Was tun, wenn man einsam ist?

Um etwas gegen die ungewollte Einsamkeit zu tun, bieten sich verschiedene Optionen an:

  1. Das Betreiben von Selbstfürsorge: Hierbei gilt es die Frage zu klären, was einen eigentlich glücklich macht. Dazu kann beispielsweise das Ausüben von Hobbys sein. Das Erfüllen von körperlichen Bedürfnissen in Form von Sport und gesundem Essen, sowie ein freundlicher Umgang mit sich selbst und gegebenenfalls auch Tieren gehören hierzu.
  2. Das Schaffen von festen Strukturen: Routinen verleihen Sicherheit und aus dieser heraus gelingt das Verlassen „des eigenen Schneckenhauses“ oftmals besser ist. Oder zumindest sein kann.
  3. In kleinen Schritten in Kontakt mit anderen Menschen treten: Ob ein kurzes Telefonat. Das Schreiben eines Briefes oder einer Nachricht. Der Austausch in sozialen Netzwerken*, der zu einer realen zwischenmenschlichen Interaktion führt oder das Gespräch mit Nachbarn … Sie alle helfen einem dabei, den ersten Schritt aus der Einsamkeit herauszutun.
  4. Tätigkeiten ausführen, die mit anderen Menschen zu tun haben: Wie wäre es mit einem Ehrenamt? Oder einem Engagement an einer anderen Stelle, die mit den eigenen Interessen zusammenhängt?
  5. Sich Hilfe holen: Kommen die anderen Möglichkeiten nicht infrage. Kann es sich
    lohnen ein Gespräch mit dem Hausarzt oder der Telefonseelsorge zu führen. Auch die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe oder das In-Anspruch-Nehmen von psychologischer Unterstützung erweist sich häufig als sinnvoll und hilfreich.

Wie verhalten sich einsame Menschen?

Einsame Menschen neigen zu sozialen Ängsten und Depressionen. Aber auch bereits bestehende allgemeine Ängste können durch die Einsamkeit potenziert werden. Ähnliches gilt für das Gefühl des emotionalen Ausgelaugt-Seins und den zusätzlichen Rückzug aus der Gesellschaft. Der oftmals mit einem Verlust von (noch) vorhandenen engen Freunden verbunden ist. Zudem zeigten Studien der Universität von Texas, dass sich einsame Menschen (speziell jene, die auch sonst zu Depressionen neigten) häufig deutlich mehr in sozialen Medien* aufhielten und sich damit ablenkten. Als jene, die stärker in reale soziale Netzwerke eingebunden waren.

In der Folge kam es bei den Einsamen vermehrt zu einem geringen Selbstbewusstsein, schwachen Selbstwertgefühl und diversen ungünstigen physischen Reaktionen. Dazu zählten unter anderem Bluthochdruck, eine Gewichtszunahme durch körperliche Inaktivität, aber auch zu Gewichtsverlusten durch fehlenden Appetit oder einem größeren Bedürfnis nach körperlicher Wärme. Einsamkeit verursacht Schmerzen. Und Schmerzen tun weh. Egal ob psychisch oder physisch.

Was macht Einsamkeit mit der Psyche?

Sind Menschen einsam, steige ihr Risiko, depressiv zu werden und an allgemeinen Ängsten zu erkranken – jedenfalls nach der Gutenberg Gesundheitsstudie der Universität Mainz. In ihrem Zuge wurden die Daten von 15.000 Erwachsenen im Alter von 35 bis 74 Jahren aus Mainz und dem Umland untersucht.

Das Ergebnis: Menschen, die sich außerordentlich einsam fühlten, waren in mehr als 50 % der Fälle auch depressiv, litten in 40 % der Fälle unterzusätzlichen allgemeinen Ängsten und neigten in 42 % der Fälle zu Suizidgedanken. Rechneten die Forscher die sozioökonomischen Hintergründe heraus, blieb es dabei, dass deutlich mehr einsame Menschen mit Suizidgedanken belastet waren (36 %) als es bei den nicht einsamen Personen der Fall war (6 %). Das Fazit der Studie war denn dementsprechend auch, dass die Einsamkeit viele Menschen betreffe und deren Psyche erkennbar belaste.

Wie schlimm ist Einsamkeit?

Dass sich Einsamkeit sowohl auf die Psyche als auch auf das körperliche Wohlbefinden auswirkt, beweist die Studie von Julianne Holt-Lunstadt und Timothy Smith von der Bringham Young Universität in Utah. Sie werteten 140 Studien mit Daten von über 300.000 Personen aus westlichen Staaten aus, wobei sich die Studien-Beobachtungsdauer über durchschnittlich 7,5 Jahre erstreckte. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass Einsamkeit:

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Als ebenfalls nachteilhaft habe sich der Kontaktmangel erwiesen: Er fördere die Verwahrlosung und lasse die Risikofreude ansteigen. Ein großes Problem ist es gerade bei jüngeren Menschen. Da die Gesundheitsbehörden und die Öffentlichkeit in Bezug auf ihre Gefährdung durch Einsamkeit noch nicht so alarmiert sind.

Warum tut Einsam-Sein so weh?

Das liegt daran, dass Schmerzen und Einsamkeit im selben Gehirnbereich ‚einschlagen‘. Ausgeschlossen zu sein, ist schon seit der Steinzeit als ein alarmierender Zustand empfunden. Da die Trennung von anderen Menschen zu diesem Zeitpunkt in etwa genauso lebensgefährlich, wie tatsächlicher körperlicher Schmerz. Darüber hinaus merkt John T. Cacciopo von der Universität von Chicago an, dass einsame Menschen die Welt verstärkt für eine Bedrohung hielten. Doch der Aufbau eines negativen Welt- und Menschenbilds, der sowohl verbal als auch nonverbal ausgedrückt ist, führe zu einem Aufbau einer Problemspirale durch einen noch stärkeren Rückzug inklusive Frust, Erschöpfung und Niedergeschlagenheit. So ähnlich, wie Teufelskreis.

*Bei den sozialen Netzwerken sollte man in Betracht ziehen, dass es um Cyber Kontakt geht. Dieser Kontakt ist für kurze Zeit sicher besser als gar kein Kontakt zu haben. Dennoch, nur Cyber Kontakte zu haben ist künstlich. Haben Menschen nur solche Kontakte, tut es uns Menschen auf die Dauer nicht gut. Zudem bekommt man die direkte Resonanzen egal in welcher Sicht nicht. Sprich Spiegelneuronen die nur abzulesen sind, wenn die Menschen sich „L I V E“ trifft, bekommt man auf keinen Fall.

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