Schlafstörungen: Ursachen, Tatsache, Tipps,…

F 51 nichtorganische Schlafstörungen

Schlafstörungen: Ursachen, Tatsache, Tipps,…
Schlafstörungen: Ursachen, Tatsache, Tipps,…
Schlafstörungen wurden wohl nie so packend thematisiert wie in dem legendären Faithless-Song „Insomnia“. In der Realität sind Schlafstörungen allerdings kein echter Spaß. Jeder Mensch wünscht sich, seine Nächte durchschlafen zu können. Doch dies ist nicht jedermann vergönnt. Im Folgenden geht es um Schlafstörungen, was man dazu wissen muss und wie man sie behandeln kann.

Was bedeutet Schlafstörungen haben?

Wer sich noch nie mit Schlafstörungen befasst hat, wird nur zwei Optionen kennen: Entweder, man schläft gut und tief, um nach 7 oder 8 Stunden erholt aufzustehen und den neuen Tag anzupacken. Oder man leidet unter Schlaflosigkeit, findet in der Nacht also überhaupt keine Ruhe.

Allerdings werden hier ein optimales Beispiel und dessen Gegenteil aufgezeigt. Tatsächlich gibt es sehr viele Menschen, die sich zwischen diesen beiden Extremen bewegen. Fast jeder hat bereits Schlafstörungen erlebt, etwa aufgrund von Nervosität, seelischer Belastung, Krankheit oder Überdrehtheit nach einer Party.

Menschen, die nicht selbst von Schlafstörungen betroffen sind, halten diese manchmal sogar für ein Geschenk. Hat man dann nicht viel mehr Freizeit, die man für Hobbys, zum Lesen, Fernsehen oder auch zum Feiern nutzen könnte? Betroffene können über derlei Mutmaßungen natürlich nur müde schmunzeln.

Bei temporären Schlafstörungen mag es keine Schwierigkeit sein, die vermeintlich gewonnene Zeit sinnvoll zu verwenden. Bei häufigen und wiederkehrenden Schlafstörungen sieht die Welt allerdings anders aus: Man wälzt sich auf der Suche nach Schlaf im Bett hin und her, hört in die Stille und in sich selbst hinein und wird nicht selten erfüllt von negativen Gedanken.

Gründe für mögliche Schlafstörungen

  • Gab es ein Geräusch in der Küche?
  • Warum steht das Auto mit laufendem Motor vor dem Haus?
  • Ist mein Arbeitsplatz eigentlich noch sicher?
  • Und was ist das für ein seltsames Ziehen in meiner Leistengegend?

Selbst Menschen, die eigentlich als starke, wenig ängstliche Charaktere bekannt sind, erleben in schlaflosen Momenten Angstzustände, durch die an Schlaf natürlich gar nicht mehr zu denken ist. Die Tatsache, dass in den wenigsten Fällen eine wirkliche Gefahr besteht, kann in solchen Momenten nicht wirklich beruhigen.

Das Resultat dieser Schlafstörungen: Vielleicht findet man tatsächlich noch einen Augenblick für den Schlaf. Allerdings ist der dann in der Regel wenig entspannt, manchmal erfüllt von unschönen Träumen und vor allem viel zu schnell beendet. Denn der Wecker klingelt auch bei Menschen, die unter Schlafstörungen leiden, genauso unerbittlich wie bei allen anderen.

Der Morgen beginnt dann mit einer Art Katerstimmung, mit der man unkonzentriert und unentspannt in einen wenig angenehmen Tag startet. An solchen Tagen gelingen die Dinge kaum so, wie sie es eigentlich sollen. Das führt zu Unzufriedenheit und zu der nächsten unruhigen Nacht. Ein Kreislauf zwischen durchwachten Nächten und schlechten Tagen ist also keine Ausnahme.

Kann die Naturheilkunde bei Schlafstörungen helfen?

Die Fernsehwerbung verspricht es ebenso wie die Anzeige im Magazin: Es gibt zahlreiche frei verkäufliche, aber sanft wirkende Medikamente, die gegen Schlafstörungen helfen können. In vielen Fällen sind sie, im direkten Vergleich zu verschreibungspflichtigen Medikamenten, die deutlich bessere Wahl.

Ärzte sind in der Regel auch sehr zurückhaltend, starke Medikamente gegen Schlafstörungen zu verschreiben. Denn häufig haben diese Mittel starke Nebenwirkungen, sodass man tagsüber schlapp und müde ist und zum Beispiel nicht Auto fahren darf. Außerdem finden sich in vielen Medikamenten Stoffe, die süchtig machen können.

Daher lohnt es sich, bei Schlafstörungen auf die Naturheilkunde zu setzen. Diese Ansicht vertreten übrigens mitnichten nur Esoteriker oder die Naturheilkundler selbst. Auch zahlreiche Ärzte schwören auf alternative Methoden, um Schlafstörungen zu behandeln. Der NDR lässt in einem Ratgeber eine Apothekerin zum Thema zu Wort kommen.

Empfohlen wird, zuerst den Ursachen der Schlafstörungen auf den Grund zu gehen. Diese können zum Beispiel symptomatisch sein für eine Depression und andere psychische Störungen, eine Erkrankung der Schilddrüse, ein hormonelles Ungleichgewicht oder zu hohen Blutdruck. Wenn Grunderkrankungen ausgeschlossen sind, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Schlafstörungen auf sanfte Art und Weise zu kurieren.

Möglichkeiten mit Naturheilmitteln Schlafstörungen zu behandeln

  • Naturheilkunde bedeutet in diesem Fall vor allem: Hilfe zur Selbsthilfe. Zuerst werden in dieser Hinsicht Rituale empfohlen, die müde machen. Zum Beispiel ein regelmäßiger Spaziergang am Abend. Kraftraubende Tätigkeiten sind allerdings ungünstig, da sie den Kreislauf und die Körpertemperatur hochtreiben.
  • Nicht nur in der Naturheilkunde weiß man, dass die Füße zum Einschlafen warm sein sollten. Ein Fußbad vor dem Zu-Bett-Gehen ist hier hilfreich, auch das Tragen von Bettstrümpfen ist eine Möglichkeit.
  • Die Naturmedizin setzt natürlich auch auf Heilkräuter. Schlaffördernd sind zum Beispiel Passionsblume, Hopfen, Lavendel, Salbei, griechischer Bergtee und Melisse. Die Dosierung der in vielen Drogeriemärkten erhältlichen Präparate ist allerdings eher gering. Daher ist umstritten, ob diese bei allen Fällen von Schlafstörungen helfen können. Außerdem muss sich in der Regel erst ein Wirkstoffspiegel im Körper aufbauen, was erst nach mehreren Tagen der Einnahme des Präparates der Fall ist. Naturheilkundliche Tabletten sind höher dosiert und können ihre Wirkung schneller entfalten.

Neben diesen Tipps setzen Naturheilkundler außerdem auf Intervallfasten, vollkommene Dunkelheit im Schlafzimmer sowie Meditation und gezielte Atemübungen. Die beiden zuletzt genannten Praktiken helfen dabei, das Gehirn schon vor dem Schlafengehen vom Grübel-Modus in den Modus der Entspannung zu bringen.

Schlafstörungen bei Corona

Die Corona-Pandemie wirkt sich sowohl direkt als auch indirekt auf das Schlafverhalten der Menschen aus. Der Schlafforscher Dr. Christian Benedict von der Universität Uppsala hat dazu eine aufschlussreiche Studie vorgelegt.

Wer an COVID-19 erkrankt, kann ebenfalls an Schlafstörungen leiden. Während der akuten Erkrankung kommen viele Betroffene nachts nicht zur Ruhe, obwohl der Körper eigentlich dringend Schlaf benötigt. Und mit dem Abklingen der akuten Erkrankung verschwinden nicht in jedem Fall sofort alle Symptome.

Bekannt ist, dass Betroffene auch Wochen und Monate nach der Erkrankung noch Symptome haben können, die sich mit der Corona-Infektion in Zusammenhang bringen lassen (Stichwort „Long COVID“ beziehungsweise „Post COVID“). Das Bild ist hier noch recht diffus, die bisher bekannten Symptome reichen von einem bleibenden Verlust des Geruchs- und Geschmackssinnes über Haarausfall bis hin zu einer Leistungsschwäche, also einem permanenten Gefühl der Müdigkeit und Schlappheit.

Beides geht in vielen Fällen einher mit Schlafstörungen verschiedenster Art. Es gibt bereits Kliniken, die sich auf die Behandlung dieser Symptome spezialisiert haben. Trotzdem fehlen bisher die Erfahrungswerte, ob man wirklich allen Post-COVID-Patienten wieder zu einem normalen, gesunden Leben verhelfen kann.

Demnach zeigen sich bei Nichterkrankten zwei gegenläufige Strömungen

  • Einerseits bietet Corona (v.a. durch Homeoffice, Kurzarbeit sowie Resturlaube und abgefeierte Überstunden) vielen Menschen die Möglichkeit, sich mehr auf den natürlichen Schlafrhythmus einzustellen. Man geht also abends zu Bett, wenn der Körper es verlangt – und auch morgens reißt einen der Wecker nicht zur Unzeit wieder aus den Federn. Bei diesen Menschen drohen allerdings Schlafstörungen, wenn der natürliche Rhythmus nach dem Ende der Pandemie wieder dem üblichen Termindruck weichen muss.
  • Andererseits sorgt Corona allerdings auch für Schlafstörungen: Ein ebenfalls nicht unerheblicher Prozentsatz der Menschen entwickelt Ängste und fühlt sich gestresst, was sich negativ auf den Schlaf auswirken kann. Neben den „normalen“ Ängsten kommen jetzt häufig eine diffuse Zukunftsangst (Wird die Pandemie jemals enden? Werde auch ich oder werden auch Mitglieder meiner Familie erkranken, möglicherweise sterben? Drohen durch Corona Anarchie und Chaos?) sowie die Angst um den Arbeitsplatz und die eigene finanzielle Situation. Hinzu kommen durch Corona der Bewegungsmangel und die vielen Stunden, die man vor dem heimischen Computer verbringt. Auch diese Faktoren tragen unter Umständen zu Schlafstörungen bei.

Was gibt es für nichtorganische Schlafstörungen F51?

Wie bereits angedeutet, können Schlafstörungen organische oder andere Ursachen haben. Die nichtorganischen Schlafstörungen finden sind nach Standards der Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert. In der ICD-10 Tabelle finden sie sich im Bereich F50 – F59 unter dem Stichpunkt „Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren“.

Genannt werden hier die folgenden Schlafstörungen.

Nichtorganische Insomnie F51.0

Die nichtorganische Insomnie zeigt sich durch ungenügenden, nicht erholsamen Schlaf. Symptome sind Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen und frühmorgendliches Erwachen. Oft ist die Insomnie eine Begleiterscheinung anderer psychischer Störungen.

Nichtorganische Hypersomnie F51.1

Hier sind eine exzessive Schläfrigkeit während des Tages, plötzliche Schlafattacken sowie verlängerte Übergangszeiten vom Schlaf in den Wachzustand charakteristisch. Auch die nichtorganische Hypersomnie ist oft ein Zeichen anderer psychischer Störungen.

Nichtorganische Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus F51.2

Betroffene klagen oftmals über Schlaflosigkeit oder Hypersomnie. Eine nicht synchrone Abstimmung des Schlaf-Wach-Rhythmus‘ kann hier sowohl die Ursache als auch ein Symptom sein.

Schlafwandeln (Somnambulismus) F51.3

Schlafwandler geraten während der Nachtruhe in einen Zustand, der sich zwischen dem Schlaf und dem Bewusstsein bewegt. Schlafwandler verlassen in der Regel das Bett, gehen im Haus umher (in selten Fällen verlassen sie sogar das Haus). Sie sind kaum oder nur vermindert ansprechbar, reagieren verzögert und können sich nach dem Aufwachen in der Regel nicht an das Erlebte erinnern.

Pavor nocturnus F51.4

Hierbei handelt es sich um Panikattacken, die aus dem Schlaf heraus geschehen. Betroffene stoßen einen Panikschrei aus, richten sich im Bett aus und verlassen es sogar manchmal in Richtung Tür. Nach dem Aufwachen hat man keine Erinnerung an das Geschehen beziehungsweise erinnert sich nur sehr bruchstückhaft.

Albträume (Angstträume) F51.5

Angst- und Alpträume sind meist sehr detailreich und wirken lebhaft. Inhalte dieser Träume sind häufig die Bedrohung des Lebens, der Selbstachtung oder der Sicherheit. Viele Betroffene erleben gleiche oder identische Angst- oder Alpträume immer wieder aufs Neue. Oft sind Erinnerungen an den Traum nach dem Aufwachen noch präsent, allerdings ist man meist schnell wieder orientiert.

Sonstige nichtorganische Schlafstörungen F51.8

Diese Möglichkeiten der Schlafstörungen sind nicht genau spezifiziert.

Nicht näher bezeichnete, nicht organische Schlafstörungen F51.9

Unter dieser Kategorie werden u.a. emotional bedingte Schlafstörungen gelistet. Die Ursache liegt in einer inneren Aufgewühltheit, zum Beispiel durch Trennung oder Trauer. Aber auch eigentlich positive Empfindungen (Verliebtheit, die Vorfreude auf den am folgenden Tag beginnenden Urlaub oder kreative Ideen für ein eigenes Projekt) können im wahrsten Sinne schlafraubend sein.

Ihnen hilft in der Zukunft Thema: Was ist die optimale Schlafhygiene?

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